Schweigen II


(c) Michael Mutschler, 1994.

Heiraten, hörte ich eine Frauenstimme fragen. Ihr wollt heiraten? Das Fragezeichen fällt fast hörbar auf den Tisch, der zwischen ihnen steht. Ich sitze im Zug und fahre nach Berlin. Gerade passieren wir einen Stausee, von dem ich mir jedes Mal vornehme, nachzusehen, wie er heißt und warum es ihn dort gibt. Nachdem man eine halbe Stunde an platten Felder vorbeigefahren ist – die man ignorieren muss, möchte man in Berlin noch einigermaßen wohlgemut aus dem Wagon steigen – ist dieser glitzernde, blaue, weite See, der immer in der Sonne zu liegen scheint, eine Irritation. Eine wohltuende Erscheinung, aber so erstaunlich wie ein fröhlicher Vater morgens im Kindergarten. Ja, höre ich die andere sagen, ihre Stimme ist tiefer, angenehm und ich stelle mir vor, dass sie dunkles, schönes Haar hat und einen herbstroten Lippenstift trägt. Wir heiraten!

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Auf einer Welle sitzt auch mal eine Katze


Die Katze isst Gulasch. Mein Gulasch, das auf dem Gartentisch stand, als das Telefon klingelte. Ich habe sie nicht eingeladen, aber nun ist sie da. Sie sieht mich an mit diesem typischen Katzengesicht, das gleichzeitig lächelt und verschlagen dreinblickt. Sie ist schwarz mit ein paar weißen Flecken. Als die Kinder heranstürmen, springt sie weg.

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Ich wünschte, Peter Høeg hätte das geschrieben


Die Debatte zur Frauenquote. Ein Kammerstück.

Stabwechsel. (c) Michael Mutschler, 2011

Stabwechsel. (c) Michael Mutschler, 2011

Es treten auf:

  • Die Frau, die kann, aber nicht will (Frau Willnicht, aka: Will-Nicht).
  • Der Mann, der will, aber nicht kann (Herr Kannicht).
  • Der Mann, der nicht kann, aber darf (Herr Wieesheutesoläuft).
  • Die Frau, die können wollen würde, wenn sie dürfte (Frau Wieesheutesoläuft).
  • Die Frau, die neuerdings darf, obwohl keiner das will (Frau Quote).

Ferner:

  • Fachkräftearme Vorstandsvorsitzende.
  • Und Artemis.

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Dialoge II


Teil 2: Konzepte wie die Digitale Gesellschaft (in guter alter Bürgeriniativen-Tradition) stehen dem horror vacui der modernen Demokratie entgegen. Das Netz gilt als Chance  – für den Einzelnen, für Unternehmen, für die Politik. Das Mehrheitsprinzip siegt sozusagen in Echtzeit. Gleichzeitig ist man auch pragmatisch: Das Netz ist da, also bitte lasst es nicht einfach geschehen, sondern nutzt es. Vorreiter ist Sascha Lobo, dessen Ernennung zum S.P.O.N.-Kolumnisten der letzte Nachweis dafür ist, dass der Avatar im Internet ein realer Gegenspieler zum Ich geworden ist. Aber das Prinzip der digitalen Gesellschaft ist (in guter alter Bürgeriniativen-Tradition) kein bequemes: Nörgeln is nich. Bleib fair. Sei nicht klandestin. Versuch nicht, alles zu kontrollieren. Vertrau deinen Mitmenschen, sie sind nicht so schlimm, wie du denkst.

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