Versuche, über den Krieg zu sprechen (1)


13-3-2022 19-20 Uhr – Transkript des ersten Intro-Versuchs, korrigiert und ergänzt

Es gibt nichts Gutes an einem Krieg. Im Grunde ist dieser Podcast damit schon zu Ende. Denn über alles, über das ich jetzt sprechen werde in der kommenden blauen Stunde, 20blue hour. Über alles, das ich sprechen kann, möchte ich gar nicht sprechen. Der 24. Februar 2022 ist [00:00:30] für viele ein einschneidendes Erlebnis. Eines ohne Vergleich. Aber für dienjenigen, über die wir sprechen, Und die fliehenden, die sterbenden, die traumatisierten Personen, Personen, die fliehen, auch nach Deutschland, die wir in Deutschland willkommen heißen wollen. Zum Glück. DMenschen, die [00:01:00] aber besser gar nicht weggehen wollten sollten: Diesen Personen hilft kein Podcast. Warum habe ich mich trotzdem dafür entschieden? Na ja. Wir sind alle unseren Möglichkeiten unterworfen. Wir sind alle dem Leben [00:01:30] unterworfen. Auch meines geht weiter. Der Podcast ist ein fester Teil davon. Nichts dazu zu sagen – das kann ich nicht. Dieser Krieg legt sich in alle Ritzen meines Denken und Handelns.

Viele Einige sagen jetzt: Es hilft nichts, wenn ich nichts tue, es hilft nichts, wenn ich nicht heize, es hilft nichts, wenn ich nicht fühle, es hilft nichts, wenn ich nicht lache. Ich finde das nicht so einfach. Ich habe Zweifel, Zweifel, über etwas anderes zu sprechen, aber auch Zweifel, über diesen Krieg [00:02:00] in der Ukraine zu sprechen. Begonnen von Wladimir Putin. Einem, wie wir jetzt wissen ganz abscheulichen Menschen. Der außerhalb unserer Werte, außerhalb des Völkerrechts, außerhalb jeden Verständnisses handelt. Und er handelt weiter. [00:02:30] Denn ganz offensichtlich kann er nicht aufhören, weil er nicht aufgeben kann, weil er nicht verlieren kann, weil er nicht einsehen kann. Weil er muss.

Und sein Müssen kostet viele Menschen ihr Leben, ihr Heim, ihre Hoffnung, ihre Zukunft. Ja, ich bin unfassbar wütend. Und zugleich sehr hilflos. Denn jetzt sitze ich hier in meinem [00:03:00] warmen, ich heize wenig, aber doch ein wenig, in meinem warmen, schönen Zimmer zu Hause. Und überlege, mit wem ich, mit wem ich sprechen kann. Ich kenne Menschen, die direkt betroffen sind von diesem Krieg, Menschen, die hier wohnen, aber dort Verwandte haben: Freunde und Freundinnen. Menschen, [00:03:30] die sie lieben. Menschen, um die sie sich jetzt sorgen. Ihre Unruhe, ihre Trauer vermag ich mir gar nicht vorzustellen. Und wenn ich jetzt sage, ich bin froh, dann bin ich natürlich nicht froh. Wie soll ich froh sein?

Aber ich bin erleichtert, dass wir, es ist der 13. März 2022, keine [00:04:00] laute Debatte haben in Deutschland über die Aufnahme von geflüchteten Personen aus der Ukraine. Wenigstens das. Aber es gibt nichts Gutes an einem Krieg. Und so wird alles, über das ich jetzt sprechen kann, über das ich sprechen muss in dieser nächsten Stunde etwas sein, über das ich nicht sprechen möchte. [00:04:30] Ich habe mir vorgenommen, mit Menschen zu sprechen, die mehr wissen als ich. Das mache ich immer, das zeichnet diesen Podcast aus, der im Übrigen ein Jahr wird jetzt (und ihr habt vielleicht am neuen Jingle schon gehört, wir haben, und das ist schon länger beschlossen gewesen, ihm ein ein [00:05:00] kleines Upgrade gegönnt. Und ich bin Peter Lonzek, dem Sprecher und Lukas Dreher, dem Komponisten, außerordentlich dankbar, dass sie einen so wunderschönen musikalisch sprachlichen Rahmen schaffen für diese blaue Stunde.) Ja, ich habe mir vorgenommen, in dieser hour zu sprechen mit Menschen, die [00:05:30] mehr wissen, aber auch mit denen, die, die fühlen die gerade nur fühlen, weil sie betroffen sind. Direkt ins Herz getroffen. Mit Sack und Pack, was wahrscheinlich oft nicht mehr als ein, zwei Koffer sind, fliehen müssen und das betrifft Menschen aus der Ukraine, und das betrifft Russinnen und Russen, Belarussinnen [00:06:00] und Belarussen, die fliehen vor diesen autokratischen, ich möchte beinahe sagen terroristischen Regimes. Und die auch alles zurücklassen müssen, ihre Familie zuvorderst. Ich möchte auch sprechen mit Menschen, die jetzt Medien machen, die für uns dort [00:06:30] sind, die ihr Leben riskieren, um uns wissen zu lassen, was passiert. Und ich möchte schauen, ob ich jemanden finde, der, der Hoffnung gibt. Der oder die mir und uns erklären [00:07:00] kann, worauf wir hoffen können. Und wenn wir keine Hoffnung finden. Dann hoffentlich zumindest, die grösstmögliche die größtmögliche Einigkeit darüber: Dass es nichts Gutes gibt an einem Krieg. Wenigstens [00:07:30] das. Ja, ich wünsche euch. Nun folgt mir oder folgt mir nicht? Nein. Okay.

Verwendung im Podcast: Nein.