Pandemie-Tagebuch (5): Statt Athen


Statt Athen

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Pantheon und die größte Sorge

ist ob wir der Mittagshitze entkommen

das Elend in den Seitenstraßen

und der gehetzte Kellner beschämen uns kurz

wir stehen am Hafen und träumen von Inseln.

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Es ist Oktober 2019 und ich denke

bald kommt das schöne Jahr und Athen

die Wiege meines Gewissens

sei ein guter Auftakt für

ein Leben wie es sein soll.

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Das schmerzhafte Lächeln der Griechin

wenn sie an ihre Zeit in Deutschland denkt

Wetter schlecht – Land gut

Ich entschuldige mich für Europa und

verirre mich in Exarchia.

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Philosophie ist Hauptfach bringt mir

ein Taxifahrer bei während wir

durch Olivenhaine fahren

ich auf dieser vierten Fernreise im Jahr 2019

nach Nizza, Kopenhagen und Lissabon.

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Nächstes Jahr vielleicht Olympia denke ich

ich und am besten mit dem Zug

über Wien und Dubrovnik die ganz

große Reise wie es sich gehört

für dieses Alter und jene Errungenschaften

denke ich.

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Oktober 2019 als ich im Ersten Olympiastadion

die Treppen zähle und beinahe die Zeit verliere

träume ich vom nächsten Jahr und wie das Leben

immer besser würde denn wer

in Athen war.

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(c) Anja Mutschler. 2020

In Gedenken an bessere Zeiten, Oktober 2020 – inmitten der zweiten Welle, mit Rückenschmerzen und richtig schlechter Laune.