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Reise. (c) Michael Mutschler, 2011.

Reise. (c) Michael Mutschler, 2011.

Die Knattermöhre trägt mich durch blendend helle Gefrorenheit. Es ist Montag und ich fahre aus Leipzig nach Berlin. Die Bahn droht zu streiken, die Berliner S-Bahn tut es auf ihre Weise längst – so lasse ich mich von meinem grünen Ford auf einer fast leeren Autobahn gen Norden tragen. Dass ich dabei in umgekehrter Reihenfolge die Orte passiere, in denen ich gewohnt habe, wird mir erst klar, als ich am ersten vorbeirausche.

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Ich wünschte, Peter Høeg hätte das geschrieben


Die Debatte zur Frauenquote. Ein Kammerstück.

Stabwechsel. (c) Michael Mutschler, 2011

Stabwechsel. (c) Michael Mutschler, 2011

Es treten auf:

  • Die Frau, die kann, aber nicht will (Frau Willnicht, aka: Will-Nicht).
  • Der Mann, der will, aber nicht kann (Herr Kannicht).
  • Der Mann, der nicht kann, aber darf (Herr Wieesheutesoläuft).
  • Die Frau, die können wollen würde, wenn sie dürfte (Frau Wieesheutesoläuft).
  • Die Frau, die neuerdings darf, obwohl keiner das will (Frau Quote).

Ferner:

  • Fachkräftearme Vorstandsvorsitzende.
  • Und Artemis.

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Gehn wie ein Ägypter


Schuhe. (c) Michael Mutschler, 2011

Schuhe. (c) Michael Mutschler, 2011

Egypt must be free

Als es in Ägypten begann, habe ich, nicht nur, weil eine befreundete Familie dort wohnt, zum ersten Mal seit langem eine unverhüllte Begeisterung über ein politisches Ereignis entwickelt. Ich lebe seither im schwindeligen Gefühl, einer bedeutsamen politischen Wende beizuwohnen. Vielleicht, weil ich mich an 1989 nur bruchstückhaft erinnere: aufgeregte Verwandte, rotbackige Geschichtslehrer, unverschämt viel Fernsehzeit und nicht zuletzt meine kindliche Erleichterung, dass „die da drüben“ jetzt endlich Urlaub „in Italien machen dürfen“. Berechtigte Einwürfe, eine schwankende arabische Welt könne am Ende nachteilig für alle sein und die Region jahrelang in Unruhen stürzen, gehen unter im Jubel der Demokratin. Ich lese atmosphärische Artikel wie den von Khaled Alkamissi in der Frankfurter Rundschau und überlege, ob man sagen darf, dass die Facebook-Generation einen informierteren Eindruck macht als die politische Garde auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

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Fußnote


Wie einige gesehen haben, ist mein Blog nun auch illustriert. Konkret der Rabenpost von gestern, Dialoge II und der Beitrag Schweigen I. Das war mein Vater, und ich habe mich sehr gefreut! Wer weitere Photos oder Illustrationen hat, die die Seite und Artikel verschönern, melde sich gern! Auch freue ich mich über Gastbeiträge.

Einen schönen Tag wünscht

Anja Mutschler

Der Rabe hackt am Panzer …



Raben. (c) Michael Mutschler, 2011

Raben. (c) Michael Mutschler, 2011

Eine analytische Haltung ist etwas wunderbares. Sie kontrolliert ein Ich, das ständig überschäumen möchte, sie biegt es zurecht für den sozialen Gebrauch und verleiht Autorität, wo vielleicht nur Hilflosigkeit wäre. Sie ordnet, gibt den Dingen Struktur und verleiht Selbstkontrolle. Eine analytische Haltung ist das Gegenteil zu der assoziativen, die Peter Wawerzinek in seinem Buch Rabenliebe perfektioniert hat, und die kein Stein auf dem anderen lässt.

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