Dialoge II


Teil 2: Konzepte wie die Digitale Gesellschaft (in guter alter Bürgeriniativen-Tradition) stehen dem horror vacui der modernen Demokratie entgegen. Das Netz gilt als Chance  – für den Einzelnen, für Unternehmen, für die Politik. Das Mehrheitsprinzip siegt sozusagen in Echtzeit. Gleichzeitig ist man auch pragmatisch: Das Netz ist da, also bitte lasst es nicht einfach geschehen, sondern nutzt es. Vorreiter ist Sascha Lobo, dessen Ernennung zum S.P.O.N.-Kolumnisten der letzte Nachweis dafür ist, dass der Avatar im Internet ein realer Gegenspieler zum Ich geworden ist. Aber das Prinzip der digitalen Gesellschaft ist (in guter alter Bürgeriniativen-Tradition) kein bequemes: Nörgeln is nich. Bleib fair. Sei nicht klandestin. Versuch nicht, alles zu kontrollieren. Vertrau deinen Mitmenschen, sie sind nicht so schlimm, wie du denkst.

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Dialoge I


Als di-aloges Mitglied der Gesellschaft bin ich zwischen Macht und Möglichkeit des Internets hin und her gerissen. Di-alog deshalb,weil  ich beide Zeiten kenne – was mich vom Digital Native unterscheidet: Die analogen Zeiten, in denen man nicht jeden Monat Datenschutzbestimmungen irgendeines Programms lesen musste oder permanent seinen Namen googeln, damit sich kein reputationsschädigender Treffer einnistet. Analoge Zeiten, in denen  der Staat niemals nach einem Fingerabdruck im Ausweis-Chip gefragt hätte. Vermutlich spielt ein Fingerabdruck in heutigen Kriminalgeschichten keine Rolle mehr. Aber aufgewachsen bin ich mit Schimanski und Tappert, die sich den Fingerabdruck vom Täter noch mit Kreidestaub aus dem Fenster meißeln ließen. 1987 wäre es vermutlich völlig undenkbar gewesen, einen unbescholtenen deutschen Bürger um seinen Fingerabdruck zu bitten – ebenso wie er sich verbeten hätte, die Produkte seiner Einkäufe in Zentralkassen zu registrieren oder Statusmeldungen zu verfassen, die auch später noch abrufbar Auskunft darüber geben, wo man sich gerade befindet.

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